DasSpiel

Das Spiel 1.4

Neues

Stand: 2022-10-04

Aktuelles

Nach der Diskussion um kulturelle Aneignung kam es nun auch zu einer weiteren rund um diverse Ismen, also etwa Rassismus, Sexismus etc. Dabei ist wohl zwischen verschiedenen Erscheinungen zu differenzieren.

Zum einen kann solch ein Ismus gezielt eingesetzt werden, um bestimmte Gruppen gezielt zu verletzen. Dies Ziel kann jedenfalls dann von den Angreifern relativ einfach erreicht werden, wenn die Zielpersonen Beleidigungen annehmen statt schlicht von der Aussage auf die Absichten des Angreifers zu schließen.

Interessanter ist demgegenüber der Fall, wenn Sprecher oder Schreiber unabsichtlich handeln, zum Beispiel tradierte Stereotype unreflektiert übernehmen, um damit zu argumentieren. In solchen Fällen kann selbstverständlich Widerspruch hilfreich sein, um verfehlte Denkmuster aufzudecken.

Nun können Autoren aber wiederum auch gezielt derartige Stereotype nutzen, um eben diese als solche im Rahmen von Ironie oder Satire zu entlarven. Hier kommt es vorrangig zu Konflikten, wenn Teile des Publikums Ironie, Satire, Intention nicht verstehen. Weil Erklärung von Ironie und Satire nun einmal deren Struktur dekonstruiert, ist mehr als ein Hinweis auf den Sachverhalt schlecht, was allerdings nicht dazu führen muß, hier mäßigend zu wirken - denn manches Publikum räumt nicht gerne ein, in der Interpretation korrigiert zu werden.

Generell kann allerdings auch wiederum ein Vorurteil beim Publikum dazu führen, daß Äußerungen gezielt als Ismus fehlinterpretiert werden, obgleich bei distanzierter Betrachtung derlei letztlich nicht belegt werden kann. Dies tritt besonders bei Leuten auf, welche sich leicht in eine fanatische Mission hineinsteigern, dabei aber gerne Menschen mit gemäßigter Haltung, jedoch an sich ähnlicher Meinung gegen sich aufbringen. Die Zuspitzung auf Freund oder Feind wirkt hier bei den Missionaren also gerade kontraproduktiv.

In diversen Szenarien von DasSpiel gibt es selbstverständlich Stereotype, ironische oder satirische Überspitzungen, Vereinfachungen. Insofern stellt sich hier anhand verschiedener Beispiele ebenfalls die Frage, welcher Fall jeweils vorliegt.

Eine andere Frage dabei ist, ob Autoren derartiger Szenarien, Bücher etc durch fanatische Missionare in ihrem Schaffen unangemessen eingeschränkt werden - oder aber dadurch Hilfe erfahren, ihre Werke zu verbessern, indem sie über den Einsatz von Stereotypen bewußter reflektieren.

Interessant ist übrigens auch der umgekehrte Fall, wenn unreflektierter Unfug in der Ismus-Ausprägung vom Publikum als ironische Umkehrung, Überspitzung interpretiert wird, während die Äußerungen tatsächlich aus einer naiven Denkart so gemeint waren.

Dieses Problemfeld ist jedenfalls ein interessantes gesellschaftliches Phänomen, welches nicht einfach so aufgelöst werden kann. Allein, weil sich Personen durch Äußerungen verletzt fühlen, was ja in vielen Fällen auf deren Interpretation beruht, ist es nicht zwangsläufig angemessen, die Sprecher deshalb zu verunglimpfen. Wobei ein Angriff auf die Sprecher wiederum dann angemessen ist, wenn diese offenkundig absichtlich verletzen, diskriminieren wollen. Besonders unterhaltsam wird eine Auseinandersetzung, wenn lediglich vom an sich gar nicht selbst betroffenen Publikum eine Diskriminierung von Randgruppen vermutet wird, sich daraus ein Aufruhr entwickelt, welcher erst dazu führt, daß die mutmaßlich Betroffene Gruppe erst durch die Auseinandersetzung auf die Äußerung aufmerksam wird, sich dazu so oder so äußert.

Fazit einstweilen für Szenarien in DasSpiel: Ja, es gibt Ismen in einigen Szenarien. In den meisten wird gerade dies Problemfeld thematisiert, in wenigen Fällen werden die Szenarien überarbeitet, weil die Thematisierung nicht beabsichtigt war. In einigen anderen Fällen schien die Überspitzung auf Stereotype für das Szenario angemessen, denn im Sinne einer wenn auch teils fiesen Karikatur kann die Verwendung von Stereotypen ja doch ein Stilmittel sein, sofern die fiese Karikatur jedenfalls nicht wie bei den üblen Bildern vom ewigen Juden direkt zu Haß und Gewalt anstachelt. Mit Stereotypen können ja auch durchaus an sich liebenswerte Macken oder Merkmale herausgearbeitet werden, Ismen, Stereotype müssen insofern gar nicht unbedingt abwertend eingesetzt oder interpretiert werden.