Ausgezeichnet schreiben

Strukturierte Texte mit einer XML-Auszeichnungssprache wie XHTML erstellen

Dr. O. Hoffmann 2004-12-12 - 2004-12-24, 2005-01-04 - 2005-01-08, 2005-02-05, 2005-07-02

3. Information vermitteln

Das Schreiben soll hier als das Vermitteln von Ideen, Wissen und Information verstanden werden. Auf das internet bezogen ist das Information für alle. Daraus ergeben sich unmittelbar Konsequenzen, mit welchen technischen Mitteln dies geschehen und wie Information verständlich vermittelt werden kann.

3.1 Keine unmittelbar zugängliche Information

Was aber weiß der Autor über seine späteren Leser (im Folgenden auch verallgemeinernd für verschiedene Medien Nutzer des Textes oder kurz Nutzer genannt), wer ist eigentlich "alle"? Bezogen auf digitale Daten oder noch genauer internet-Seiten heißt das, der Autor bietet diese Informationen also über das internet mit dem HTTP an. Dieses Protokoll ermöglicht den Zugriff auf Informationen ohne vorherige Identifikation. Jeder mit Zugang zum internet kann also Daten abrufen. Das bedeutet erst einmal, daß der Nutzer elektronisch kodierte Texte anfordert. Diese Daten werden vorrangig in dem Klartextformat (X)HTML vorgehalten, welches für dieses Protokoll optimiert und für eine geeignete Darstellung für den Nutzer von der Organisation W3C standardisiert ist. Die Standardisierung gewährleistet, daß der Nutzer eine Chance hat, die Information sinnvoll zu lesen, die im Gegensatz etwa zu klassischen Büchern oder Zeitungen auf Papier auf Seiten des Nutzers ein Computerprogramm benötigt, um für den Leser dekodiert und zugänglich zu werden. Solche Programme werden browser genannt und sind letztlich nur die Schnittstelle zum Nutzer in einer langen Kette von Programmen und Rechnern, die ihm die Information zuführen. Auch gibt es von diesen browsern zahlreiche verschiedene, über die Jahre betrachtet und in die Zukunft geschaut zumindest deutlich mehr, als der Autor selbst jemals kennen und nutzen wird. Der Autor kann sich aber eigentlich darauf verlassen, daß ein standardkonformer Text von jeglichem browser in einer Form dargestellt werden kann, die für den jeweiligen Nutzer lesbar sein wird, der wiederum diesen browser nach seinen individuellen Bedürfnissen selbst ausgewählt und voreingestellt hat. Dies bezieht sich zunächst auf den eigentlichen dekodierten Klartext, dem Quelltext der Seite. Weitere Aufgabe des browsers ist es, die Textauszeichnungen dieses Quelltextes, die Elemente zu interpretieren und für den Nutzer geeignet formatiert auszugeben.

Der browser, Nutzer und Autor des Dokumentes können mittels CSS Einfluß auf die Formatierung des Textes nehmen. CSS ist ebenfalls ein Standardformat des W3C. Zunächst legen die Voreinstellungen des browsers, die vom Nutzer beeinflußt werden können, die Ansicht des Dokumentes fest. Die Anweisungen des Autors können dies überschreiben. Der Nutzer hat allerdings die Möglichkeit, zur Optimierung der Ausgabe, diese Vorgaben des Autors wiederum zu überschreiben. Dies ist relevant besonders bei der Schriftgröße, die der Nutzer in der Regel für sein Ausgabemedium optimiert wissen will, so daß Angaben des Autors, der die Eigenschaften des Ausgabemediums nicht kennt, in der Regel nicht sinnvoll sein werden, so daß es fast immer von Vorteil ist, diese gegebenenfalls zu überschreiben, etwa durch Vorgabe einer minimalen Schriftgröße. Der Autor sollte diese Möglichkeit natürlich beim Layout seines Dokumentes geeignet berücksichtigen, wenn dieses auf Akzeptanz beim Nutzer stoßen soll.

Die konkrete Darstellung des Dokumentes beim jeweiligen Nutzer hängt somit von zahlreichen Faktoren ab und wird nur in Ausnahmefällen identisch mit der Darstellung beim Autor sein. Die Interpretation von XHTML und CSS hängt allerdings trotz Standard in der Praxis immer noch (Stand 2007) etwas von den Möglichkeiten und software-Fehlern des Darstellungsprogrammes ab. Die Art der Darstellung ohne CSS-Anweisungen obliegt ohnehin erst einmal dem Nutzer und seinem browser. Wenn der Autor CSS-Anweisungen angibt, wird das Darstellungsprogramm diese nach seinen Möglichkeiten interpretieren, sofern der Nutzer dies nicht eingeschränkt hat. Über diese Einschränkungen und eingeschränkten Möglichkeiten weiß der Autor in der Regel fast nichts, kann sich allerdings unterdessen darauf verlassen, daß aktuelle browser zumindest XHTML praktisch komplett interpretieren.
Auf mehr kann sich der Autor im Grunde nicht verlassen. Die Anzeige von Bildern und anderen Formaten ist statistisch wahrscheinlich, aber nicht sicher. Derartige Formate können am Darstellungsprogramm auch deaktiviert sein oder aber gar nicht dargestellt werden, zum Beispiel weil Texte lediglich vorgelesen oder sensorisch umgesetzt werden (Brailleschrift), statt sie visuell anzuzeigen.

So weit also zu den technischen Aspekten der Frage, was der Autor über den Nutzer seiner Seite weiß - nahezu gar nichts. Zwar gibt es Möglichkeiten, den Typ des Darstellungsprogrammes zu bestimmen, doch sind diese Angaben optional und können falsch sein, die Voreinstellungen des Nutzers bleiben komplett unbekannt.

3.2 Der Nutzer

Da internet-Seiten allgemein für jeden zugänglich sind, kann der Autor auch keine klare Zielgruppe ins Auge fassen. Dies hat direkte Auswirkungen darauf, wie Information inhaltlich vermittelt werden kann. Der Autor kann keine besonderen Fachkompetenzen voraussetzen. Texte sollen daher einfach verständlich sein. Es ist aber nicht sinnvoll, deswegen auf den Einsatz von zielgerichtet ausgewählten Fachwörtern zu verzichten. Diese und Abkürzungen jeglicher Art müssen allerdings geeignet erläutert werden, zur Kennzeichnung von Abkürzungen und Akronymen dienen die Elemente abbr und acronym. Zur Erklärung von Fachwörtern und Abkürzungen bietet sich entweder ein Glossar an oder das title-Attribut, welches praktisch bei allen XHTML-Elementen anwendbar ist, um deren Inhalt hilfreich zu erläutern.

Andere Formate wie Bilder, Animationen oder Filme sind dann folglich ebenfalls bestenfalls ergänzende oder alternative Informationen zu den sorgfältig formulierten Textsegmenten. Dennoch sind Bilder und ähnliche ergänzende Informationen geeignete Benutzerhilfen, um Inhalt so anzubieten, wie sie der Nutzer optimal erfassen kann. Bei vielen Menschen lassen sich Informationen über sorgfältig erstellte Bilder oder Filme viel besser und schneller vermitteln als lediglich mit Text. Für jene, für die das aus welchen Gründen auch immer nicht gilt, liegt natürlich nach wie vor die Textinformation vor, die auch ohne die Nutzerhilfen verständlich sein soll.

3.3 Aufgaben des Autors

Es gibt eine große Vielfalt von zukünftigen Nutzern, mit individuellem Verständnis, verschiedenen Denkweisen und Fähigkeiten, unterschiedlichen Zugängen zum und Interessen am Thema. Verschiedene Zugänge zur zentralen Information zur Verfügung zu stellen, die möglichst allen Nutzern einen gutes Verständnis des Themas eröffnen sollen, ist eine weitere Herausforderung des multimedialen internets.

Der Autor einer qualitativ hochwertigen internet-Seite wird diese reizvolle Herausforderung annehmen und bemüht sein, möglichst vielen Benutzergruppen gerecht zu werden, sowohl was ihre technischen wie intellektuellen Möglichkeiten betrifft, ebenso auch die Art, wie Information überhaupt gut verstanden wird. Allgemein wird das unter den Stichworten Zugänglichkeit, Nutzbarkeit und Ergonomie einer internet-Seite zusammengefaßt.

3.4 Kritische Probleme

Die in den vorherigen Abschnitten genannten Probleme der Zugänglichkeit sind zwar anspruchsvoll, in der Regel aber mit realistischem Aufwand sehr gut lösbar. Ein wirklich kritisches Problem der Zugänglichkeit ist allerdings die Sprache selbst. Das hat sich leider auch mit den digitalen Medien nicht wesentlich geändert, da die existierenden automatischen Übersetzungsprogramme nach wie vor eher abenteuerliche denn brauchbare Ergebnisse liefern. Immerhin, das Angebot eines Klartextformates, formatiert mit einer Auszeichnungssprache gemäß internationalem Standard ist eine Grundvoraussetzung, unter der solche Programme irgendwann einmal funktionieren könnten.

Wenn Autor und Leser also grundverschiedene Sprachen nutzen, sind die Informationen bislang leider nicht zugänglich. Der Autor wird vorrangig eine Sprache wählen, in der er selbst optimal formulieren, das Thema optimal bearbeiten kann. Es ist für den Inhalt in der Regel erst einmal förderlich, wenn der Autor mit der verwendeten Sprache vertraut ist und sich auf den Inhalt denn auf Formalien der Sprache konzentrieren kann. Sollte er selbst das Werk dann in eine andere Sprache übersetzen wollen, so kann das Original mit fertiger Argumentation für eine freie Übersetzung sehr hilfreich sein. Bei eigenen Werken ist eine wörtliche Übersetzung meist nicht notwendig, weil der beabsichtigte Sinn der Aussagen ja inhaltlich gut geläufig sein sollte. Es ist natürlich ein Glück für den Leser, wenn Texte in mehreren Sprachen angeboten werden. Der Autor kann durch ein solches vielsprachiges Angebot schlicht die Anzahl seiner Leser drastisch erhöhen, schlechte Übersetzungen bieten dem Leser allerdings nur wenig, die wären dann also nur noch wenig relevant, da der Nutzer diese und automatisch erzeugte Übersetzungen vermutlich ohnehin schnell abbrechen wird. Autor und Nutzer werden sich bei diesem Problem einem Kompromiß stellen müssen. Bei kleinen Projekten wird dem Autor kaum zumutbar sein, diese in vielen Sprachen anzubieten. Bei großen Projekten ist es jedoch ratsam, Helfer hinzuzuziehen, um Mehrsprachigkeit zu erreichen.

Nehmen wir als Beispiel ein Informationsangebot einer Firma, die aus Erfahrung weiß, daß sie einen hohen Anteil von Kunden aus Frankreich, Deutschland, Japan und der Türkei hat. Über kurz oder lang wird die Firma ihre internet-Seite also auch in diesen Sprachen anbieten. Weil auch die Hoffnung besteht, mit dem Informationsangebot neue Kunden zu gewinnen, wird vermutlich ebenfalls eine Version in einer Sprache angeboten werden, die als Muttersprache oder als geläufige Fremdsprache weit verbreitet ist. Das wird wahrscheinlich englisch sein.

Abzuraten ist dem Autor auf jeden Fall von der Mischung von Sprachen oder von gruppenspezifischen Dialekten anstatt der normalen Hochsprachen. Leider scheint es bei einigen verwirrten Geistern Mode geworden zu sein, Nutzer mit wilden Sprachgemischen zu verunsichern, statt schlicht zu informieren. Im deutschen Sprachraum gibt es zum Beispiel das Phänomen, welches öfter mit denglisch bezeichnet wird - eine unorganisierte Mischung aus deutsch und englisch. Zum Beispiel werden Navigationselemente eines Angebotes in englisch gehalten, die eigentliche Information aber in deutsch - was soll ein nicht deutschsprachiger Nutzer von so einer Seite halten? Wie soll sich ein nicht englischsprachiger Nutzer in dem Angebot zurecht finden?
Bei spezifischen Fachbegriffen sind Anglizismen wie browser oder internet natürlich angebracht, aber insbesondere undefinierte, nicht gekennzeichnete, selbsterfundene Fachbegriffe in einer anderen Sprache in der Navigation eines Projektes zu nutzen, zeugt allenfalls von einem infantilen Spieltrieb, denn von Fachkompetenz. Leider ist solch wirres Zeug bisweilen nicht nur auf privaten Seiten zu finden, sondern auch bei angeblich renomierten Firmen und Konzernen. Ähnlich wie nicht unter allen Umständen funktionierende Elemente einer Seite stärkt das eher den Eindruck kompletter Ahnungslosigkeit und Hilflosigkeit als ausgewiesener Fachkompetenz - wenn das Unternehmen nicht einmal in der Lage ist, über sich selbst funktionierend und allgemein verständlich zu informieren, wie sollte der Nutzer auf den Gedanken kommen, daß die Produkte oder Dienstleistungen dieses Unternehmens irgendwelchen Qualitätsansprüchen standhalten werden? Solche Narrenstücke schaden dem Ansehen eines Unternehmens jedenfalls mehr als gar kein Informationsangebot im internet oder ein sehr kleines, konzentriertes einsprachiges.

Bei kleinen Projekten kann eine Interaktion mit den Nutzern hilfreich sein, sofern professionelle Hilfe zur Internationalisierung nicht realisierbar ist. Warum nicht fragen, ob nicht ein Nutzer das Angebot oder Teile davon in einer anderen Sprache aufbereiten kann? Schließlich profitiert der Nutzer auch von einem freien Informationsangebot, da wird es sicher auch zahlreiche Nutzer geben, die bereit sind, sich für andere einzusetzen und die Information auch für diese zugänglich zu machen.