Ausgezeichnet schreiben

Strukturierte Texte mit einer XML-Auszeichnungssprache wie XHTML erstellen

Dr. O. Hoffmann 2004-12-12 - 2004-12-24, 2005-01-04 - 2005-01-08, 2005-02-05, 2005-07-02

4. Thema definieren

Niemand wird ernsthaft erwarten, daß hier steht, welche Themen eine internet-Seite behandeln soll. Das liegt letztlich allein beim Autor oder Auftraggeber der Seite. Einige konkrete Hinweise sind jedoch möglich.

4.1 Textart festlegen

Neben dem Thema selbst, sollte dem Autor eindeutig klar werden, was er überhaupt will, was das Ziel des Schreibens ist und wie er dieses erreichen möchte.

Möchte er einen Sachverhalt dokumentieren? Dabei handelt es sich um eine möglichst objektive Zusammenstellung von Tatsachen. Emotionen und Wertungen haben in einer Dokumentation nichts verloren.

Wird ein Sachverhalt analysiert? Das erfordert eine genaue Beobachtung des Sachverhaltes und der Autor wird Rechenschaft darüber abgeben, welche Methoden er zur Analyse verwendet hat, wird die Struktur des Gegenstandes der Betrachtung beschreiben und ihn systematisch in einen größeren Zusammenhang einordnen. Der korrekte Einsatz von Fachbegriffen und deren Erklärung wird einen größeren Raum der Arbeit einnehmen, für neue Phänomene werden gar neue Begriffe geprägt werden müssen.

Bei der Interpretation bereits vorhandener Phänomene kommt hingegen bereits mehr der subjektive Charakter der Darstellung zum Vorschein. Die gezogenen Schlüsse sollen natürlich vom Leser nachvollziehbar sein, sie müssen belegt werden. Eine Argumentation stellt darüber hinaus eine Folge von Argumenten dar, die eine individuelle Sichtweise eines Themas dem Leser näher bringen soll. Belege und objektive Fakten werden diesen natürlich eher überzeugen als substanzlose Herumrederei. Im Gegensatz zur Rede hat der Leser alle Zeit der Welt, die Argumente nachzuvollziehen und ist so weniger leicht durch rhetorische Kunstgriffe zu manipulieren. Insofern sollten harte Fakten sprechen, damit die Argumentation nicht als bloße Luftnummer zum Narrenstück wird. Zu bedenken ist, daß das geschriebene Wort erst einmal immer statisch ist. Der Leser kann nicht nachfragen, wenn etwas nicht verstanden ist, kann nichts erwidern, wenn ihm Gegenargumente einfallen. Wenn eine Argumentation überzeugen soll, muß der Autor dies bedenken und Gegenargumente selbst aufführen und entkräften. Das kann nur gelingen, wenn er sie selbst überzeugend darstellen kann und nicht nur Scheinargumente in Scheingefechten zu besiegen vermag. Wie oft kann der aufmerksame Leser derartige Texte bereits nach kurzem Lesen entspannt beiseite legen, weil der Autor bereits zu Beginn einfach zu widerlegen war und somit der gesamte Rest bestenfalls noch als vergnüglicher Irrtum zur Unterhaltung herhalten konnte. Zwar mag das Papier geduldig sein, nicht aber der Leser mit den Fehlern des Autors, wenn diese den Inhalt unnütz machen.

Die Zusammenstellung verschiedener Sichtweisen oder Zugänge zu einem Thema ist mehr referierend und wie die Dokumentation nicht subjektiv geprägt. Jede vorhandene Sichtweise wird dargestellt und in ihrer Argumentationsfolge komplett erfaßt. Der Leser bekommt einen Überblick, wer warum welcher Ansicht ist und was seine Argumente sind. Der Autor kann seine Sichtweise als weiteren Zugang zum Thema darstellen, überläßt aber dem Leser die Interpretation oder Schlußfolgerung. Der Autor kann jedoch auch vergleichen und das Thema auf Basis des Vergleichs weiterentwickeln, geht dann aber über eine Zusammenstellung hinaus hin zur einer Argumentation für seine eigene Sichtweise.

Ein Themenbereich kann auch systematisch erschlossen werden. Ähnlich einem Lehrbuch erhebt ein solches Dokument Anspruch darauf, eine Einführung oder einen Überblick über ein komplexes Arbeitsgebiet zu geben. Der bis dahin unkundige Leser wird an die Hand genommen und mit dem Arbeitsgebiet vertraut gemacht, an weiterführende Dokumente herangeführt. Es werden Grundlagen systematisch erläutert, damit der Leser auf dem Gebiet bei seinen weiteren Studien in Zukunft selbständig wird agieren können. Der Autor wird hier eher bereits allgemein Bekanntes dokumentieren und den Leser nicht mit unsicheren Details oder subjektiven Meinungsäußerungen behelligen oder diese zumindest sofern sie unbedingt notwendig sind, klar als fragwürdig benennen und dem Leser so eine deutliche Hilfe zur eigenen Einordnung geben.

Nun können Dokumente verschiedene Textarten enthalten, sinnvollerweise sollte aber der Wechsel der Dokumentart mit einem neuen Kapitel mit eindeutiger Bezeichnung in der Überschrift gekennzeichnet werden.

4.2 Kompetenz des Autors

Eine gewisse Kompetenz auf Seiten des Autors im Themenbereich ist Voraussetzung für das Erstellen eines für den Nutzer brauchbaren Informationsangebotes. Dies gilt auch und gerade, wenn der Autor nur beauftragt wurde, eine internet-Seite für jemand anderes zu erstellen. Ist keine Kompetenz vorhanden, muß der Autor sie sich zuvor aneignen oder sich im Falle eines Auftrages einen Experten zur Seite stellen lassen.
Interessant ist es auch, sich gerade aus Anlaß des Schreibens Kompetenz anzueignen - frisches Wissen anderen zu vermitteln vertieft zumeist noch das eigene Verständnis für das Thema und stellt Bereiche heraus, wo noch Lücken sind, die durch Recherchen oder gar eigene Forschung oder Experimente geschlossen werden sollten, um das Thema komplett darstellen zu können. Wenn es sich nicht nur um persönliches Unwissen handelt, sondern um die Grenzen des kollektiven Wissens zum Zeitpunkt des Schreibens, so ist es für den Leser natürlich ebenfalls hilfreich, diese Punkte genau genannt zu bekommen, statt sie auszusparen.

4.3 Originärer Inhalt

Ein weiterer wichtiger Punkt besteht darin, daß Themen für eine erneute Bearbeitung recht uninteressant sind, wenn sie bereits auf zahlreichen anderen internet-Seiten erschöpfend behandelt wurden und vermutlich gar noch besser, als es dem Autor mit verträglichem Aufwand möglich wäre. Auch solche Themen sollte verzichtet werden. Inhalt sollte also originär sein, keine Wiederholung, kein Plagiat, kein Aufkochen von überholten Sachverhalten. Im internet herrscht inzwischen eine Informationsflut, bei der der Nutzer froh darüber ist, eine Seite mit qualtitativ hochwertiger Information erst einmal in einer Flut von Unfug zu finden. Hilfreich für Nutzer und Suchmaschinen ist da ein ordentlich beschrifteter Verweis auf eine Seite, auf der das Thema mit Kompetenz behandelt wird, nicht aber ein weiteres halbgares Narrenstück, welches halbverstandene Dinge aufwärmt, die an anderer Stelle viel besser erläutert sind.

In der Regel ist es auch nicht sinnvoll, selbst Unverstandenes und von anderen lediglich Kopiertes bereitzustellen. Das wird dem Nutzer nicht wirklich helfen, weil der Autor gar nicht selbst beurteilen kann, ob die von ihm bereitgestellte Information relevant und aktuell ist - vielleicht hat er ja selbst nur Material kopiert, welches schon in seiner Quelle unverstanden und unausgegoren war. So trägt er nur zur weiteren endlosen Verbreitung geistigen Mülls bei, statt wirklich Information anzubieten. Warum nicht einfach auf die Originalquellen verweisen, wenn man deren Inhalt als hilfreich und nützlich empfunden hat? Eine gute Zusammenstellung von sorgfältig ausgewählten Verweisen zu einem Thema wird vielen Nutzern mehr helfen als das Wiederkäuen von unverdautem oder unverstandenen Informationen aus anderen Quellen.

4.4 Andere Projektkonstruktionen im internet

Es gibt natürlich nicht nur Darstellungen von geschlossenen Themen, sondern auch internet-Tagebücher, Selbstdarstellungen, Foren für Meinungsäußerungen interessierter internet-Nutzer, Portale oder Kataloge zu definierten Themenbereichen und vieles andere mehr. Vieles davon ähnelt eher unserer Schmierzettelsammlung zur Vorbereitung des Schreibens als einer internet-Seite mit ordentlich strukturierten Inhalten. Dabei sollte der Nutzer möglichst entlastet und geführt werden, um ihm das Durchforsten solcher Angebote zumindest zu erleichtern. Bei solchen fragmentarischen Angeboten übernimmt der Nutzer Aufgaben des Autors, wenn er selbst Information nach Relevanz und Thema sortieren muß. Das Ordnungsschema der Fragmente muß in solchen Fällen unbedingt einfach und transparent sein, damit der Nutzer eine Chance hat, sich darin zurecht zu finden. Thema ist bei solchen Angeboten eher die gekonnte Anordnung von Informationsbruchstücken selbst, um sie für einen fremden Menschen überhaupt auffindbar und beurteilbar zu machen. Portalseiten zum Beispiel, die unsortiert hunderte von Verweisen auf andere Projekte auf einer einzelnen Seite anbieten, werden den Nutzer zwangsläufig überfordern. Hier ist eine klare Struktur und Gliederung erforderlich, der Nutzer muß an die Hand genommen und geführt werden. Es sollte ihm geholfen werden, sein aktuelles Informationsbedürfnis genau zu definieren und dann zügig ein entsprechendes Angebot zu finden.
Bei Foren etwa wird der Nutzer zurecht erwarten, daß dieses im Wesentlichen erst einmal eine Ergänzung zu einer abgeschlossenen Themenseite ist, auf der bereits zentrale Informationen zu finden sind, die im Forum ergänzt oder diskutiert werden können.

4.5 Kongruenz von Zielen und Inhalten prüfen

Bei solchen Konstruktionen wie auch bei geschlossenen Themen lohnt es sich in jedem Falle, die zentralen inhaltlichen Ziele des Projektes am besten schriftlich festzuhalten und von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob der Schwerpunkt der Inhalte noch zum Ziel paßt oder ob andernfalls das Ziel verändert oder erweitert werden sollte oder auch der Inhalt. So oder so tritt damit klarer hervor, wie das Angebot zielgerichtet und sinnvoll optimiert, aktualisiert oder ausgebaut werden kann. Anhaltspunkte dafür kann auch die Analyse des Nutzerverhaltens ergeben - welche Teile des Angebotes werden gelesen, was ist verweist? Was sind die Kommentare der Nutzer? Was sind die Schlußfolgerungen für den Autor? Werden wichtige Passagen ignoriert, weil sie falsch angeordnet sind? weil sie schlecht dargestellt sind? weil dem Leser deren Wichtigkeit nicht klar genug geworden ist? Sollten Bereiche ausgebaut werden, wo der Nutzer mehr Informationen erwartet oder erhofft oder sollte ihm erläutert werden, warum sein Informationswunsch an der Stelle wohlmöglich in Sackgassen führt, die der Autor bereits ausgelotet hat und dem Nutzer ersparen möchte?

4.6 Auswahl und Eingrenzung

Zahlreiche Anforderungen, die eigentlich für abgeschlossene Themen formuliert werden, sind ohne weiteres auch auf kleinere Informationsblöcke zu übertragen, wie sie in den genannten fraktaleren Angeboten zu fnden sind, eventuell werden Gliederungsregeln etwas anders ausfallen, Informationsangebote werden mehr parallelisiert sein, wie es für Strukturen im ganzen internet typisch ist. Im Grunde läuft es aber von der Struktur immer auf das Gleiche hinaus - Information wird angeboten und das sollte angemessen erfolgen. Ein Informationsblock soll ein definiertes Thema haben und für das Verständnis geeignet strukturiert sein. Es obliegt dem Autor, das jeweilige Thema exakt zu definieren, einzugrenzen und fachgerecht zu behandeln.